Was Schelers Philosophie kennzeichnet, ist seine Suche nach den der Reduktion zugrunde liegenden Kräften in der affektiven Sphäre. Die erste Phase der Reduktion, die die Eitelkeit des Ego dekonstruierend wirkt, wird durch die Demut gelenkt, während die zweite Phase, welche nach der das Leben schenkenden Kraft sucht, durch das Lieben geleitet wird. Die Begriffe der Demut und der Liebe entfaltet Scheler in seiner mittleren Phase in Bezug auf die christliche Tradition. Beim späten Scheler erweitert sich der Horizont, bis Platon und die östliche Denktradition mit einbezogen werden. Während Husserl in den Ideen I die Reduktion als eine neue „Methode“ des Denkens, d. h. als eine „epistemologische“ Reduktion versteht, schlägt Scheler eine Reduktion als eine „Tèchne“ der Umbildung vor, durch die der Mensch seiner exzentrischen Stellung in der Welt Gestalt zu geben sucht. Was Scheler mit „Tèchne“ bezeichnet, hat nicht mit dem zu tun, was wir heute unter dem Begriff der Technik verstehen. Er spricht eben von einer Kunst „des inneren Handelns“. Meines Erachtens verweist Scheler durch diesen griechischen Begriff auf Platons Gedanken. Für diese These kann man sich auf eine Stelle bereits beim mittleren Scheler stützen, in der er nämlich die phänomenologische Reduktion als den moralischen Akt darstellt, dem der „platonische Aufschwung“ zugrunde liegt. Es ist nun geradezu dieser „platonische Aufschwung“, der im Nachlass ausdrücklich als eine „Tèchne“ (Nachlass, GW XI, 118)

Methode oder Techne? Ethik und Realität in der "phänomenologischen" Reduktion Max Schelers.

CUSINATO, Guido
1998

Abstract

Was Schelers Philosophie kennzeichnet, ist seine Suche nach den der Reduktion zugrunde liegenden Kräften in der affektiven Sphäre. Die erste Phase der Reduktion, die die Eitelkeit des Ego dekonstruierend wirkt, wird durch die Demut gelenkt, während die zweite Phase, welche nach der das Leben schenkenden Kraft sucht, durch das Lieben geleitet wird. Die Begriffe der Demut und der Liebe entfaltet Scheler in seiner mittleren Phase in Bezug auf die christliche Tradition. Beim späten Scheler erweitert sich der Horizont, bis Platon und die östliche Denktradition mit einbezogen werden. Während Husserl in den Ideen I die Reduktion als eine neue „Methode“ des Denkens, d. h. als eine „epistemologische“ Reduktion versteht, schlägt Scheler eine Reduktion als eine „Tèchne“ der Umbildung vor, durch die der Mensch seiner exzentrischen Stellung in der Welt Gestalt zu geben sucht. Was Scheler mit „Tèchne“ bezeichnet, hat nicht mit dem zu tun, was wir heute unter dem Begriff der Technik verstehen. Er spricht eben von einer Kunst „des inneren Handelns“. Meines Erachtens verweist Scheler durch diesen griechischen Begriff auf Platons Gedanken. Für diese These kann man sich auf eine Stelle bereits beim mittleren Scheler stützen, in der er nämlich die phänomenologische Reduktion als den moralischen Akt darstellt, dem der „platonische Aufschwung“ zugrunde liegt. Es ist nun geradezu dieser „platonische Aufschwung“, der im Nachlass ausdrücklich als eine „Tèchne“ (Nachlass, GW XI, 118)
3826015371
Reduktion; Husserl; Scheler; Plato
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